Die Sonnenallee – ein lokaler Wirtschaftsstandort

Das Projekt „Wirtschaftsorientiertes Stadtteilmanagement Sonnenallee“ ist seit September 2015 in Neukölln am Start, unter anderem auch im Donaukiez. Inzwischen hat sich einiges getan: mehrere Aktionen und Beratungen zur Förderung der Unternehmer sind erfolgreich gelaufen. Noch bis Ende 2018 wird sich das Stadtteilmanagement um das lokale Gewerbe sowie Integration und Arbeit längs der Sonnenallee kümmern.


Um einen Überblick über die vorhandenen Strukturen zu erlangen, hat das vierköpfige Projektteam der mpr-Unternehmensberatung inzwischen alle Gewerbetreibenden im Gebiet aufgesucht. Bei dieser Gelegenheit wurde den Geschäftsinhabern auch das Beratungsangebot vorgestellt. „Von rund 700 bis 800 Gewerbetreibenden haben wir die Datenlage erfasst“, berichtet Ina Rathfelder, die Projektkoordinatorin. „Und 20 Unternehmen haben inzwischen auch auf das Beratungsangebot zurückgegriffen.“

Außerdem gab es im Quartiersmanagementgebiet begleitende Veranstaltungen und Hintergrundgespräche wie zum Beispiel zur „Sauberkeit  in der Sonnenallee“. Mit der BSR, den umliegenden  Quartiersmanagements und dem Ordnungsamt setzte man sich zusammen, um die leidige Situation längs der vielfrequentierten Straße zu verbessern. „Die Gewerbetreibenden wissen oft nicht, was sie tun sollen und an wen sie sich konkret wenden können“, hat Ina Rathfelder erfahren. Ein Flyer zur „Sauberkeit in der Sonnenallee“ wurde aufgelegt, der auf der Sonnenallee verteilt wird und auch auf die Sauberkeitskampagne der Bezirksamtes „Schön wie wir“ verweist. Außerdem gibt es eine Ordnungsamt-App, mit der man auf Vermüllung hinweisen kann.

Kulinarischer Lockruf

Auch das Image und Marketing der Sonnenallee konnten ein Update vertragen, wie sich auf einer Ideenwerkstatt herauskristallisierte. Eine Umfrage unter den Besuchern der Kiezexpo ergab, dass die meisten mit der Straße die Möglichkeit verbinden, dort gut und preiswert zu essen. Um die Sonnenallee in dieser Hinsicht besser zu positionieren, wurde während des Kulturfestivals „48 Stunden Neukölln“ eine kulinarische Führung angeboten. „So schmeckt die Sonnenallee“ lautete der Lockruf an die Interessierten – und viele ließen sich verführen. „Wir wurden regelrecht überrannt“, berichtet Projektkoordinatorin Rathfelder, so dass im letzten November gleich eine zweite Führung dazu startete. „2017 finden fünf weitere Führungen mit unseren Stadtführerinnen Hanady Mourad und Gülaynur Uzun von Route 44 statt.“

Zukunft Sonnenallee

„Der Umsatz auf der Sonnenallee hat sich verbessert“, zieht Ina Rathfelder eine erste Zwischenbilanz. Die neue Situation von 2015/16 zeigt sich auch auf der Gewerbemeile. „Die Geflüchteten haben zwar nicht die große Kaufkraft“, so Rathfelder, „aber sie gehen gezielt muttersprachlich einkaufen in den arabischen Geschäften.“ Insgesamt funktioniere die Straße, es gebe allerdings eine größere Fluktuation als gedacht unter den Gewerbetreibenden. „Das sorgt für eine große Unruhe“, berichtet die Projektkoordinatorin. „In 2017 werden wir versuchen, die Ursachen dafür herauszufinden.“

Fit für den Job

Neben der lokalen Ökonomie steht auch Integration in Arbeit im Fokus des wirtschaftsorientierten Stadtteilmanagements. So drehte sich im letzten September der Workshop „Fit für den Job“ um die Frage, was den Menschen wirklich hilft, um ihre Arbeitsfähigkeit zu steigern. Interessierte konnten sich unverbindlich darüber beraten lassen, ob sie sich vielleicht weiter qualifizieren oder doch besser die Nische im Arbeitsmarkt suchen sollen. Diese Beratungs- und Infoangebote sind absolut freiwillig und verpflichten den Ratsuchenden zu nichts. Im vergangenen Februar wurde der Workshop erneut angeboten, im Herbst soll eventuell ein weiterer stattfinden.

Die Rechtslage rund um die Minijobs thematisierten zwei weitere Info-Workshops. Bei einem Frauenfrühstück in der Donaustraße zeigten sich die Teilnehmerinnen sehr interessiert an den Infos. Es wurde deutlich, dass hier ein Defizit an rechtlichen Kenntnissen vorhanden ist.

Nur wer spricht, lernt die Sprache

Neben den allgemeinen Workshops bietet das Stadtteilmanagement regelmäßig freitags auch Einzelberatungen und Jobcoaching an. Diese sind ebenso kostenlos, freiwillig und unverbindlich.

Mitte Januar 2017 wurde zudem ein Übungskreis ins Leben gerufen, in dem man seine deutsche Konversation verbessern kann. Nur wer spricht, lernt die Sprache, lautet das Motto. Die Teilnehmer treffen sich fortlaufend, jeder kann jederzeit dazukommen und es entstehen keine Kosten. Hauptsache man traut sich!

Das Projekt ist ein Teilmodul des Vorhabens des Bezirksamtes „Unternehmen Neukölln“, zu dem noch andere Teilprojekte in Nordneukölln, wie zum Beispiel zur Förderung der Kreativwirtschaft oder der Modebranche, gehören. Es läuft bis Ende 2018 und wird durch das Bundesprogramm BIWAQ (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) finanziert. Träger des Teilprojektes ist die mpr Unternehmensberatung.