Die offenen Türen der Martin-Luther-Gemeinde

Seit fast 110 Jahre steht die Martin-Luther-Kirche in der Fuldastraße in Neukölln. Zurückhaltend reiht sich ihre Fassade in die benachbarte Bebauung ein. Wie ein „Haus unter Häusern“ sollte sie wirken, so der Wunsch des damaligen Baumeisters Fritz Gottlob. Diese nachbarschaftliche Nähe zieht sich heute wie ein roter Faden durch die Aktivitäten der evangelischen Gemeinde.


Die Malgruppe im Körnerpark

Fotos: Schuster

„Unsere Räume sind beispielsweise bis abends um 22 Uhr geöffnet“, erklärt Gemeindemanager Felix von Ploetz eine der Voraussetzungen für den offenen Charakter des Hauses. Während viele Kirchen nur noch zum Gottesdienst die Türen aufschließen, öffnet die Martin-Luther-Gemeinde ihre Räume von früh bis spät für die unterschiedlichsten Aktivitäten. Außerdem beherbergt die Luther-Kirche zusätzlich eine brasilianische, indonesische, ghanaische und rumänische Migrationsgemeinde.

Laufgruppe, Chor oder Filmabend

Die Bandbreite der nachbarschaftlichen Angebote, die die Gemeinde anbietet, reicht von Laufgruppe und Gospelchor über Filmabend und Malkurs bis hin zur Rentenberatung oder Deutschkurse für Geflüchtete. So trifft sich am Donnerstagvormittag regelmäßig eine offene Mal- und Zeichengruppe zum kreativen Austausch. Bei gutem Wetter geht es raus in den Kiez, um sich an wechselnden Orten direkt von der Natur inspirieren zu lassen. Mitte August besuchte die Frauengruppe den idyllischen Körnerpark und hielt das sonnendurchflutete Grünareal auf den Malblock fest. „Bis jetzt hatten wir immer gutes Wetter“, freut sich Christine Lier, die ehrenamtliche Leiterin der Kreativgruppe, über ihr Glück in diesem durchwachsenen Sommer. Wer dagegen im gemütlichen Kreis lieber die Nadeln klappern lässt, findet jeweils donnerstagsabends bei einer Handarbeitsgruppe seinen Anlaufpunkt – Tipps und Tricks zum Musterstricken oder Nähen inklusive. Zur geselligen Runde, um die neuesten Kiezinfos auszutauschen, schließen sich die Senior*innen immer dienstags im Gemeindesaal zusammen. Während das Senior*innentreffen schon auf eine lange Tradition zurückblickt, existiert der Gospelchor erst seit einem knappen Jahr. Dafür aber mit durchschlagendem Erfolg: zum ersten Treffen kamen 60 Leute! Inzwischen hat sich die Teilnehmerzahl im Schnitt auf 25-30 eingependelt. Die Gruppe nimmt weiterhin Neugierige auf, zumal Chorleiterin Lydia Schulz davon überzeugt ist, dass jeder singen kann. „Improvisieren und die eigene Stimme kennenlernen steht bei mir im Vordergrund“, sagt sie. „Mir ist es wichtig, diejenigen abzuholen, die wenig bis keine Erfahrung haben und unbedingt singen wollen.“

Frühstück im Café

Wer zunächst aber erst einmal unverbindlich die Gemeinderäume von innen inspizieren will, hat dazu an den Filmabenden Gelegenheit. Die nächsten drei Termine sind Luther gewidmet. So wird am 4. September „Der große Anfang – 500 Jahre Revolution“ aus der ZDF Reihe Terra X gezeigt. Die Filmvorführungen sind genauso wie alle anderen Angebote kostenlos. Für einen spontanen Besuch bietet sich an einem Montag- oder Dienstagvormittag auch das Café im Erdgeschoss an, in dem man preiswert frühstücken kann. Oder aber es zieht den Neugierigen wochentags in Luther's Laden, in dem fair gehandelte Produkten verkauft werden.

Störendes Gerüst

Damit aber die vielen Angebote an die Nachbarschaft und die Politik der offenen Türen noch besser auch von außen wahrgenommen werden können, wünscht sich Felix von Ploetz nichts mehr, als dass endlich das Gerüst vor der Kirchenfassade abgebaut wird. „Ich hätte es hier gerne einladender“, sagt der Gemeindemanager. Doch das kann dauern, denn die Turmsanierung zieht sich hin, und das Gerüst soll vor herabfallenden Steinen schützen.

Alle Angebote der Martin-Luther-Gemeinde in der Fuldastraße 50 können auf der Kirchenwebsite mit genauer Orts- und Zeitangabe sowie Telefonnummer eingesehen werden.

die webredaktion