Wer kennt Gundermann mitten in Rixdorf?

Die Gartengruppe des Donaukiezes besuchte den Stadtgarten des Café Botanico in Neukölln. Auch bei der zweiten Infotour drehte sich alles um die unterschiedlichen Anbaumöglichkeiten von Pflanzen in der Stadt. Diesmal standen Wildkräuter im Mittelpunkt.


Fotos: Schuster

Der neue Ausflug ging wieder an einen Ort, an dem man nicht unbedingt üppig gedeihendes Grün erwartete: in einen Neuköllner Hinterhof in der Richardstraße 100. Hier wachsen auf 1000 Quadratmetern die unterschiedlichsten Pflanzen – unter anderem 200 essbare Arten. Martin Höfft führte die Gruppe fast zwei Stunden lang durch den von ihm angelegten Permakulturgarten, erklärte die einzelnen Gewächse und berichtete von seinen Anbauerfahrungen. Botanische Exkurse zu Lippen- und Kreuzblütlern gab es obendrein dazu, so dass sich bei den Zuhörer*innen längst verschüttetes Biologiewissen zaghaft zurückmeldete. Um den Rundgang aber wirklich schmackhaft zu machen, ließ Höfft die Gäste von Gundermann, Senfkraut und Sauerampfer sowie vielen anderen Kräutern direkt vor Ort probieren. Schärfe, leichte Süße oder angenehme Säure entfaltete da schon ein einziges kleines grünes Blatt oder Samenkorn auf der Zunge. „Jetzt fehlt nur noch Öl und Essig, dann habe ich einen Salat gegessen“, amüsierte sich ein Besucher beim Kosten der Pflanzen.  Martin Höfft favorisiert vor allem den Anbau von Wildkräutern auf seinem Areal. Er möchte, „dass wir die Essbarkeit von Pflanzen wieder kennenlernen.“ Sein Projekt soll die Städter im besten Sinne wieder an die Natur heranführen. Da 1000 Quadratmeter bewirtschaftete Fläche für seine Familie zu groß sind, ist dem Nutzpflanzenanbau ein Restaurant angegliedert, in dem das Gemüse und die Kräuter erntefrisch verarbeitet werden. Was könnte schließlich besser für eine größere Abwechslung in der Küche werben als ein echtes italienisches Risotto mit Wildkräutern! „Im Supermarkt findet man alles, um satt zu werden“, hält Höfft fest, „aber mir geht es um mehr Vielfalt.“

Natürliche Prozesse imitieren

Die Permakultur, eine Abkürzung für „Permanent Agriculture“, die auf dem Neuköllner Hinterhof betrieben wird, zeichnet sich dadurch aus, dass der Boden durch die Bewirtschaftung nicht ausgebeutet und erschöpft wird. „Der Ertrag soll nicht maximiert werden“, erläutert Höfft, sondern es gelte, stattdessen natürliche Prozesse zu imitieren, damit der Anbau zum Erfolg werde. „Man muss immer sehen, wie es sich entwickelt und was passiert“, so seine Erfahrung. Die von ihm vor vier Jahren zum ersten Mal ausgesäten Radieschen breiten sich nun von alleine auf dem Gelände aus – immer da, wo es für Radieschen die passenden Bedingungen gibt. Die selbsttätige zeit- und energiesparende Aussaat kommt dem Permakulturgärtner sogar äußerst gelegen, denn der Pflanzenanbau ist nicht sein Hauptberuf. Was die Natur von alleine erledigt, ist da immens hilfreich, wenn nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. „Man muss sich fragen, wofür man sich wirklich einsetzen kann und will“, gab er den Grüninteressierten als Tipp für die kommenden Grünaktionen im Donaukiez mit auf den Weg. Wenn man Möhren pflanze, die später zweimal am Tag gegossen werden müssen, man dazu aber weder Zeit noch Lust habe, „dann erlahmt das Interesse ganz schnell!“, so seine Erfahrung. Zum Abschluss gab es für alle Gartenbesucher aber erstmal eine hervorragend schmeckende Limonade – natürlich hausgemacht mit erntefrischen Kräutern.
die webredaktion

Auf der Internetseite der biologischen Stadtgärtnerei und des Café Botanico werden immer wieder Führungen durch den Permakultur-Garten angeboten: www.cafe-botanico.de

http://www.cafe-botanico.de/Die Website der Gartengruppe zum Projekt „Stadtteilgrün und Umweltgerechtigkeit“ findet sich hier.

Das erste Treffen zum Urban Gardening ging auf die begrünte Dachterasse des Klunkerkranichs. Den Bericht kann man hier nachlesen.