Der Fahrplan für den Donaukiez – das neue IHEK

Der neue Handlungsplan für das Quartiersmanagement im Donaukiez ist fertig und veröffentlicht. Das Integrierte Handlungs- und Entwicklungskonzept (IHEK) besteht aus 54 Seiten voller Ideen, Vorschläge und Möglichkeiten, wie es im Donauviertel in den nächsten Jahren weitergehen soll.


Foto: Schuster

Das IHEK ist der grundlegende Leitfaden für die Arbeit des Quartiersmanagements. Was nicht im Konzept steht, kann nicht über das Programm Soziale Stadt gefördert werden. Weil sich der Kiez ständig ändert, muss auch das Handlungskonzept regelmäßig aktualisiert werden. Dazu befragte das Quartiersmanagement in den letzten Monaten viele Bewohner*innen, soziale Einrichtungen und andere mit dem Gebiet verbundene Menschen nach ihren Erfahrungen, Wünschen und Vorstellungen zum Donaukiez. Deutlich wurde, dass den Anwohner*innen neben anderen Themen vor allem drei Dinge ganz besonders wichtig sind:


• Bildung und Gesundheit für die benachteiligte Bewohnerschaft müssen weiter gefördert werden.
• Im Donaukiez muss dringend etwas für die Umweltgerechtigkeit getan werden.
• Die steigenden Mieten bedrohen die ärmeren Bewohner*innen.

Bildung


In den Schulen und Bildungseinrichtungen des Donauviertels ist weiterhin spürbar, dass viele Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen, aufgrund von sprachlichen Defiziten mit deutlich schlechteren Voraussetzungen ins Leben starten. 61 Prozent der Kinder leben in Armut – erheblich mehr als in vergleichbaren angrenzenden Gebieten. Auch künftig wird deshalb durchgängig die Sprachförderung von der Kita bis zur Oberschule auf der Agenda stehen. Den Kindern soll unter anderem ein forschendes und entdeckendes Lernen ermöglicht werden, so dass sie bildungssprachliche und fachliche Kompetenzen erwerben können.
Im Vordergrund stehen:
• außerschulische Lernorte zu schaffen und zu sichern
• die Schulhoföffnung und Elternkooperationen an den Schulen auszubauen
• die Übergänge von der Kita zur Schule und von der Schule in den Beruf zu stärken
• den Jugendstadtteilladen Hobrechtstraße 83 zu erhalten und dessen Profilierung zu unterstützen
• sowie insgesamt die Profile und die Außenwahrnehmung der Bildungseinrichtungen zu stärken.

Gesundheit


Gesund zu leben ist für die Bewohner*innen des Donaukiezes ebenfalls nicht einfach, denn finanzielle Not bedeutet für die Familien oft mehr als nur der Verzicht auf materielle Güter. Die Kinder und Jugendlichen aus armen Familien haben deshalb oft auch schlechtere Gesundheitschancen. Hinzu kommt, dass es im Gebiet keine öffentlichen Freiflächen zum Spielen und Toben gibt. Auch hier können verschiedene Gesundheits- und Sportangebote die Situation verbessern:
• Gesundheitsprävention von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Ende der Schulzeit
• Familienangebote im Quartier
• Einrichtung eines Indoor-Spielplatzes
• Sportangebote in öffentlichen oder halböffentlichen Räumen
• gesunde Ernährung insbesondere in den Bildungseinrichtungen fördern und verankern
• Präventionsangebote und Aufklärungsarbeit im Umgang mit Spielsucht
• Förderung der psychischen Gesundheit.

Umweltgerechtigkeit


Die schlechten Gesundheitschancen im Donaukiez führen unter anderem auch zu der Forderung nach mehr Umweltgerechtigkeit für das Quartier. Umwelt(un)gerechtigkeit beschreibt die ungleiche soziale Verteilung und Umweltbelastungen sowie deren Folgen. Die Umweltsituation im Donaukiez ist stark belastet: kaum Grün, schlechte Luft, im Sommer hohe Temperaturen und eine sozial benachteiligte Gebietsbevölkerung. Die schon erwähnten fehlenden öffentlichen Grün-, Spiel- und Freiflächen können im Quartier allenfalls durch private Räume wie die Schulhöfe und der Kitagarten in der Reuterstraße 73 sowie durch wenige Spielplätze auf Wohnhöfen nur unzureichend ausgeglichen werden. Die Situation könnte insgesamt durch folgende Maßnahmen verbessert werden:
• Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten
• Sauberkeitsaktionen
• gemeinschaftliche Garten- und Begrünungsprojekte
• Schaffung von Naturerfahrungsorten (Lernorte)
• Umweltbildung für Erwachsene, Kinder und Jugendliche
• Öffnung der Kita- und Schulgärten sowie der Hinterhöfe für die Nachbarschaft
• Förderung des Fuß- und Radverkehrs
• kleinteilige Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen.

Steigende Mieten


Beim dritten Problem, den steigenden Mieten und damit der Verdrängung finanzschwacher Bewohner*innen, stehen dem Quartiersmanagement kaum eigene Instrumente zur Verfügung. Trotzdem soll das, was möglich ist, unternommen werden. So könnten zum Beispiel die Mieter*innen durch eine Beratung unterstützt sowie Verwaltung und Politik über die Situation vor Ort informiert werden. Denn der Mietendruck ist im Donaukiez mittlerweile allgegenwärtig. Wurde das Viertel noch 2009 aufgrund seines erhöhten Wohnungsleerstandes als Reserve für den Berliner Mietwohnungsmarkt eingestuft, haben sich die Zeiten inzwischen gründlich geändert. Seit Beginn des Quartiersmanagements ist die Bevölkerung im Donaukiez um fast 10 Prozent gewachsen – Ende 2015 lebten 8668 Menschen im Quartier. In den vergangenen zwölf Jahren sind sowohl die Bestands- als auch die Angebotsmieten gestiegen, zum Teil überdurchschnittlich im Vergleich zu Gesamtberlin.

Das vollständige Integrierte Handlungs- und Entwicklungskonzept 2017 zum Herunterladen gibt es hier.

Die Webredaktion