Erkenntnisreicher Spaziergang

Bei einem winterlichen Kiezspaziergang durch den Donaukiez kamen viele wertvolle Anregungen zusammen.


Foto: Jens Sethmann

Am 12. Dezember hat das Quartiersmanagement Donaustraße-Nord zu einem Kiezspaziergang eingeladen. 13 Teilnehmer*innen haben sich am Mittwoch Nachmittag auf den Weg gemacht, um Orte aufzusuchen, wo der Schuh drückt und wo man noch etwas verbessern kann. „Wo sind besondere Orte? Wo treffen sich Nachbarn? Wo liegt ständig Müll? Wo könnten mehr Fahrradbügel stehen? Gibt es gefährliche Kreuzungen?“ So fasste Quartiersmanger Simon Alvarez zusammen, was man herausfinden wollte.

Begleitet wurde der Spaziergang von Michael Hahne vom Projekt SiQua („Sicherheitsanalysen und -vernetzung für Stadtquartiere im Wandel“) an der Technischen Universität Berlin. „Wir wollen herausfinden, wie die Sicherheitswahrnehmung der Anwohner*innen im Gebiet ist“, erklärt er. Von der TU Berlin nahmen auch die beiden Stadtplanungsstudenten Justus und Colin teil. Sie befassen sich mit der Frage, wie die Sonnenallee einmal aussehen könnte, wenn – in ferner Zukunft – die Straßenbahn durch diese Straße fahren sollte. Vom Projekt „Grüner Donaukiez“ war Matteo Ciprandi dabei, der wissen wollte, welche Stelle sich für einen temporären Straßengarten eignen würde.

Ungeahnte Hinterhofidyllen

Erste Station war der Kiez-Backshop an der Ecke Donau-/Weichselstraße, ein beliebter Treffpunkt, der aber kein Ersatz für ein fehlendes Stadtteilzentrum sein kann. Danach ging es in den großen Garten hinter dem Haus Donaustraße 17-21. Ein Bewohner schloss das Tor zum Hof auf, der sonst nur den Mieter*innen zugänglich ist. Ein so ruhiger und weitläufiger Garten mit einem Spielplatz erwartet man im dicht bebauten Donaukiez kaum.

Ungewöhnlich ist auch die Ideal-Passage, eine Wohnanlage der Baugenossenschaft Ideal aus dem Jahr 1907. Zum 111. Jubiläum sind die Grünanlagen in den Höfen in diesem Jahr neu hergerichtet worden. Fußgänger*innen können hier den Block von der Fuldastraße zur Weichselstraße durchqueren.

Verschenkte Mittelstreifen

Der Spaziergang führte dann zur Sonnenallee, wo eine Anwohnerin anmerkte, dass hier die Straßenbeleuchtung stellenweise sehr dunkel ist. Den „trostlosen“ Mittelstreifen könnte man hier wie auch auf der Karl-Marx-Straße ihrer Meinung nach ansprechender gestalten.

Versteckte Spielflächen

Nach einem Abstecher in den riesigen Spielhof der Kita Reuterstraße 73 ging es weiter in die Hobrechtstraße zum Hof der Theodor-Storm-Grundschule, die aufgrund ihrer etwas versteckten Lage auch so manchem Gebietsbewohner unbekannt ist. Weil es im Donaukiez keine öffentlichen Spiel- und Freiflächen gibt, liegt der Gedanke nahe, Kita- und Schulhöfe nach Schulschluss für alle zugänglich zu machen. Doch es gibt auch handfeste praktische und rechtliche Hürden. Bei der Rixdorfer Schule hat es immerhin geklappt.

Zu viel Müll, zu wenig Eimer

Ein großes Thema war die Vermüllung der Straßen. Auf der Donaustraße gibt es zwischen der Pannier- und der Fuldastraße keinen einzigen Abfalleimer. Selbst Hundehalter*innen, die vorbildlich den Hundekot mit einer Tüte aufheben, wird es auf diese Weise schwer gemacht, die Hinterlassenschaften zu entsorgen.

Auf den Bürgersteigen fand sich auch beim Spaziergang viel Sperrmüll, Elektroschrott und Bauschutt. Quartiersmanagerin Ngoc Dinh-Le hat jedes Mal das Smartphone gezückt und die illegale Müllentsorgung per Ordnungsamt-App gemeldet. Das kann jede*r tun und somit die Entsorgung beschleunigen. Duygu Örs von der Bezirks-Initiative „Schön wie wir“ brachte die Idee ins Spiel, im Donaukiez einmal mit den Anwohner*innen einen Kiezputz durchzuführen. Vielleicht könnte man auch mal ein „Sperrmüllfest“ wie in Rixdorf feiern.

Anregungen für das IHEK

Das Quartiersmanagement will die vielen Anregungen vom Kiezspaziergang in das Integrierte Handlungs- und Entwicklungskonzept (IHEK) aufnehmen. Dieses Konzept wird den Rahmen für die Projekte abstecken, die in den folgenden Jahre über das Programm Soziale Stadt gefördert werden sollen. Das IHEK wird im nächsten Jahr in Abstimmung mit dem Quartiersrat neu aufgestellt.

Webredaktion