Offene Türen bei Sivasli Canlar

Wenn der Verein Sivasli Canlar einmal im Monat zum Frühstück lädt, sind alle willkommen. Das gilt auch für die anderen Aktivitäten des Kulturvereins


Fotos: Birgit Leiß

Ziemlich voll wird es an diesem Sonntagvormittag in den Vereinsräumen in der Donaustraße 102. Während immer mehr Leute eintrudeln und sich herzlich begrüßen, backen zwei Frauen dünne Teigfladen und Gözleme. Die Salate und kalten Platten fürs üppige Büffet wurden bereits in der kleinen Küche vorbereitet. Das Frühstück ist für die Vereinsmitglieder, die aus ganz Berlin kommen, eine gute Gelegenheit, sich zu treffen und auszutauschen. Auch gesellige Abende mit Musik finden gelegentlich statt. „Zu Silvester hatten wir hier auch schon mal 300 Leute“, erzählt Cemal Boyraz, der den Verein 2010 mit anderen ehrenamtlich Engagierten mitgegründet hat. „Weil ich es wichtig finde, dass wir unsere Kultur zeigen, schließlich sind wir ein Teil dieser Gesellschaft“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Ein Kulturverein, der viel Wert auf die Gleichberechtigung der Geschlechter legt

Aus Sivas, einer Provinz in Zentralanatolien stammen viele Mitglieder des Vereins. Canlar bedeutet „Leben“ oder auch „Seele“. Mit ihren zahlreichen Aktivitäten und ihrer Philosophie des Humanismus verfolgt der Verein die Ziele eines interkulturellen Austausch sowie der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern: „Bei uns sind Mann und Frau gleichberechtigt, und das sind keine leeren Worte“, betont Cemal Boyraz.

Zum Aschura-Fest wird Suppe verteilt

Der Verein mit rund 300 Mitgliedern hat unter anderem eine eigene Fußballmannschaft, einen Musikchor und eine Tanzgruppe, die auch schon mal bei Schul- oder Kitafesten auftritt. Auch Sprach- und Integrationskurse, die sich an alle Nationen richten, finden in der Donaustraße statt. Wenn Aschura, eines der wichtigsten Feste der Aleviten gefeiert wird, verteilen die Vereinsmitglieder vor dem Rathaus Neukölln die traditionelle Aschura-Suppe.

Stolz auf Erfolge in Schule und Ausbildung

Boyraz ist stolz darauf, dass die Vereinsmitglieder ihre Kultur und Tradition pflegen, während sie gesellschaftlich gut eingebunden sind: „80 bis 90 Prozent unserer Jugendlichen machen Abitur oder schaffen einen Abschluss". So auch der junge Mann am Nachbartisch, ein frischgebackener Polizeikommissar. Gäste und Nachbarn sind jederzeit herzlich willkommen, ganz gleich welcher Herkunft, Religion oder Alter. Apropos Alter. „Jugendliche anzusprechen ist uns sehr wichtig“, betont Filiz Karacayir vom Vorstand. Extra für sie gibt es am 10. Mai eine „Halay-night“. Halay ist ein traditioneller Tanz, der in ganz Ost- und Zentralanatolien bekannt ist.

Auf dem Weg zum Nachbarschaftstreff?

Der Verein sieht sich als offenen Begegnungsort, wo sich Menschen unabhängig ihrer Herkunft begegnen und austauschen können. Aus diesem Grund will sich Sivasli Canlar künftig noch stärker in den Kiez öffnen: „Wir könnten uns gut vorstellen, zusammen mit dem Quartiersmanagement ein Treffpunkt für die Nachbarschaft aufzubauen“, sagt Cemal Boyraz.

Auch Matteo Ciprandi vom Projekt Grüner Donaukiez, der sich beim April-Frühstück vorstellt, trifft auf offene Ohren. Einige haben Interesse, sich an den Bepflanzungsaktionen zu beteiligen. 

Sivasli Canlar e.V. 

Donaustraße 102

Offenes Frühstück jeden 1. Sonntag im Monat ab 11 Uhr

Unkostenbeitrag 5 Euro

10. Mai Halay Night

16. Juni Picknick am Wannsee

Webredaktion