„Wenn die Straße mein Hof wäre, dann…“

Bei einem Workshop am 20. Juni im Quartiersbüro wurden tolle Ideen für den geplanten Kiezgarten gesammelt


Fotos: Birgit Leiß

Im Donaukiez gibt es kaum Grün- und Freiflächen. Daher soll nun im öffentlichen Straßenland eine Art offenes Wohnzimmer für die Nachbarschaft entstehen – nur für die Sommermonate. Wo genau, steht noch nicht fest. Ohnehin muss zuerst das Straßen- und Grünflächenamt des Bezirks grünes Licht geben: „Es gibt zwar schon Vorgespräche, aber erst im Herbst wollen wir einen  Antrag stellen“, erklärt Till Rosemann von „LIFE e.V. – Bildung Umwelt Chancengleichheit.“ Zusammen mit Matteo Ciprandi ist er für das über Projekt „Stadtteilgrün und Umweltgerechtigkeit im Donaukiez“ (Grüner Donaukiez) zuständig. Gefördert wird es über das Quartiersmanagement Donaustrasse-Nord aus Mitteln des Programms Soziale Stadt.

Eine kleine, grüne Oase für alle  

Fest steht bisher nur: der Kiezgarten soll ein Ort des Austauschs und der Erholung sein. Er soll von allen genutzt werden können und daher barrierefrei sein. Klar ist außerdem, dass es eine vom Straßenniveau erhobene Plattform  sein wird. Alles andere ist noch offen. Daher waren am 20. Juni die Vorstellungen und Wünsche der Anwohner*innen gefragt. Wie stellen sie sich ihren Kiezgarten vor? Wie sollte er beschaffen sein, damit sie hier gerne Zeit verbringen? Ruhig und sicher, das heißt ohne Verkehr, hieß es zunächst bei den sechs Teilnehmerinnen - es waren tatsächlich ausschließlich Frauen - des Workshops. Sitzgelegenheiten und Grün waren allen wichtig. Auch einen Tisch fanden die meisten gut. „Es sollte gut riechen“ meinte eine Frau und schlug blühende, duftende Gewächse vor. Andere könnten sich vorstellen, hier Schach oder Tischtennis zu spielen. Auch Spiele für Kinder wurden befürwortet.

Nicht clean, sondern einladend soll er sein

„Nicht zu clean“, sollte der Kiezgarten sein“, meinte eine Anwohnerin. Einig waren sich alle, dass man sich weder wie auf einem Präsentierteller vorkommen soll noch wie in einer abgeschotteten Box. Die so genannten Parklets, wie sie etwa in der Bergmannstraße stehen, wurden mehrfach als Negativbeispiel genannt. „Wir wollen niemanden etwas vorsetzen, sondern von den ersten Ideen bis hin zum Bau alles zusammen mit den Anwohner*innen gestalten“, betonte Till Rosemann. Er war überrascht, wie konkret die Vorstellungen schon waren. Sogar über die Art der Bepflanzung oder die Anordnung der Sitzgelegenheit hatten sich einige schon Gedanken gemacht.

Ein Baumwipfel-Pfad durch die Donaustraße?

Es durfte aber auch frei herumgesponnen und Visionen entwickelt werden. Könnte man nicht eine Hängematte zwischen die Bäume spannen? Oder einen Baumwipfel-Pfad durch die Donaustraße anlegen? Andere Vorschläge: ein Insektenhotel und Lichterketten in den Bäumen. Viel Anklang fand die Idee, eine Info-Tafel aufzustellen, die auch über den Hintergrund des Kiezgartens informiert. Und wer soll sich um den Kiezgarten kümmern? „Wir setzen auf Patenschaften“, sagt Till Rosemann. Cafés oder Geschäfte könnten beispielsweise Gießkannen oder Spiele ausleihen.

Und wie geht es nun weiter?

In den nächsten Monaten sollen weitere Workshops stattfinden, auch mit Schüler*innen. Beim Kiezfest besteht ebenfalls die Gelegenheit, Ideen einzubringen. Wenn alles gut geht, sprich das Amt die Genehmigung erteilt, soll ab Januar 2020 gemeinsam gebaut, gehämmert und gepflanzt werden. Im Mai 2020 soll es dann soweit sein: der Kiezgarten wird eröffnet.

Webredaktion