Ina Rathfelder & Refat Abusalem

Unterwegs im Mikrokosmos der Sonnenallee

Ina Rathfelder und Refat Abusalem von der mpr Unternehmensberatung kennen die Sonnenallee und ihre Läden wie wenig andere. Seit Herbst 2015 besuchen sie im Rahmen des Projekts „Wirtschaftsorientiertes Stadtteilmanagement Sonnenallee“ die Gewerbetreibenden zwischen Hermannplatz und dem S-Bahnhof Sonnenallee und bieten ihnen kostenlos Unterstützung an, etwa zu Fragen der Qualifizierung oder Digitalisierung. Anfang 2019 wurde ihr Einsatzgebiet auf ganz Nord-Neukölln ausgeweitet. Kaum hatten sie angefangen, setzte auf der „Arabischen Straße“ wie sie mittlerweile von einigen genannt wird, ein enormer Boom ein. Es war der Zuzug von Geflüchteten, der der Straße nicht nur reichlich Kundschaft, sondern auch zahlreiche neue Geschäfte bescherte. Etliche Geflüchtete haben hier syrische Konditoreien oder Restaurants eröffnet.

Foto: Estefanía Landesmann

Hohe Anziehungskraft, hohe Mieten 

Die Anziehungskraft auf die arabische Community, aber auch auf Touristen, ist mittlerweile riesig. Das hat Vor- und Nachteile, erklärt Ina Rathfelder: „Es gibt kaum noch Leerstand und den meisten Gewerbetreibenden geht es finanziell gut.“ Auf der anderen Seite wird es für soziale Projekte immer schwieriger, Räume zu finden. „Die steigenden Mieten sind ein großes Problem für die Geschäftsleute“, ergänzt ihr Kollege. Die Straße sei mittlerweile überfrequentiert. Die Gewerbetreibenden beklagen fehlende Parkplätze und Probleme mit den Lieferzonen, die Menschen zu Fuß ärgern sich über vollgestellte Bürgersteige, in denen kaum noch ein Durchkommen möglich ist. Auch für solche Konflikte versuchen die beiden Lösungen zu finden. 

Wenn das Hipster-Café auf der falschen Straßenseite ist

Die überfüllten Abschnitte auf der Sonnenallee liegen vor allem zwischen Hermannplatz und Weichselstraße. Am hinteren Ende sieht es hingegen ganz anders aus, ebenso in den Seitenstraßen. Sogar die einzelnen Straßenabschnitte sprechen ein unterschiedliches Publikum an – was manch einen, der ein Hipster-Café im „falschen“ Abschnitt eröffnet, kalt erwischt.

Es müsste mehr Ort der Begegnung geben

Refat Abusalem, der seit fast 20 Jahren am östlichen Ende der Sonnenallee wohnt, würde sich wünschen, dass die Anwohnenden mehr auf Sauberkeit achten. „Außerdem müsste es mehr Veranstaltungen geben, bei denen sich die Nachbarn kennenlernen können.“ Seine Kollegin wünscht sich ein friedliches und respektvolles Miteinander, ein Aufeinander zugehen von Alt und Jung, Alteingesessen und neu Zugezogenen: „Die Sonnenallee soll so lebendig und spannend bleiben, wie sie heute ist.“

Das Projekt „Lokale Ökonomie“ wird über das Bundesprogramm BIWAQ („Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) finanziert.