Speed-Dating für das Ehrenamt
Am 7. Juli trafen sich an der Ecke Donau-/Weichselstraße knapp 20 Leute zu einem Engagement-Rundgang. „Wir spazieren gemeinsam durch den Donaukiez und besuchen Orte, die freiwillige Unterstützung suchen“, erklärt Sarah Hannusch vom Neuköllner EngagementZentrum (NEZ). Das NEZ ist von der AWO Berlin Südost getragen und führt das vom Quartiersmanagement geförderte Projekt „Strukturen des Ehrenamtes im Donaukiez stärken“ durch.
Offene Küche und Sprachcafés
Los ging es im Blue House des Vereins Hejmo in der Donaustraße 15. Hejmo e. V. ist ein migrantischer Verein, der Orte für Menschen bietet, „wo sie einfach erstmal ankommen können“, sagt Ricarda Bochat. Die Räume in der Donaustraße haben vor einem Jahr eröffnet. Hier gibt es zum Beispiel wöchentlich eine Open Kitchen, wo rund 40 Leute zusammen kochen, essen und abwaschen, einen Open Music Club oder Sprachcafés auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Alle Angebote sind kostenlos und werden von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten. „Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten, sich einzubringen“, sagt Ricarda Bochat. „Der beste Weg ist, einfach zu kommen und dann zu sehen, wie man sich einbringen könnte.“
Schule der Selbstorganisation
Die zweite Station war das Casino for Social Medicine in einem ehemaligen Spielcasino in der Sonnenallee 100. Das Casino ist vieles in einem: eine Bar, ein Café, ein Ort für Konzerte und Lesungen, für Beratungen und Akupunktur und ein Treffpunkt für Initiativen. 50 bis 60 Leute arbeiten hier ehrenamtlich. „Wenn jemand Lust hat, eine neue Werkgruppe zu gründen, dann machen wir das“, erzählt Dylan. „Ich verstehe das Casino auch als eine Schule, wie man etwas selbst organisiert.“ In fast allen Bereichen könnte das Casino noch Hilfe gebrauchen – an der Bar, bei der Veranstaltungsorganisation, beim Ausbau der Webseite oder bei den Finanzen: „Wir haben noch nie Fördergelder bekommen“, sagt Dylan, „also wenn sich damit jemand auskennt…“
Nachhilfe bis zum Abitur
Weiter ging es zu Blickwinkel in der Sonnenallee 64. Den Verein gibt es seit 2007. „Wir haben uns aus der Notwendigkeit gegründet, Schülerinnen und Schülern bessere Bildungschancen zu ermöglichen“, berichtet Vereinsvorstand Christoph Holz. In den zwei Räumen wird Nachhilfe in allen Fächern von der Grundschule bis zum Abitur angeboten. Der Verein finanziert sich über Spenden und die eher symbolischen Beträge der Schülerinnen und Schüler. „Wir arbeiten komplett ehrenamtlich“, so Christoph Holz. Für die Nachhilfe sucht er jederzeit Unterstützung: „Wir versuchen vor allem, Leute zu finden, die das regelmäßig machen, um auch eine Vertrautheit herzustellen.“ Aber auch für Ferienangebote oder die Verwaltung wäre Verstärkung gern gesehen.
Viele Arme für die Donaukrake
Schlusspunkt des Rundgangs war das Büro des Quartiersmanagements (QM) in der Donaustraße 7. Hier stellte zunächst Jonathan die Sauberkeitsinitiative „Donaukrake“ vor. „Vermüllung ist ein Thema, das die Stimmung im Kiez vergiftet und den Kiez spaltet“, stellt er fest. An jedem letzten Sonntag im Monat lädt die Initiative um 11 Uhr zu einer gemeinsamen Aufräum-Aktion ein. „Unser Kiezputz macht die Straße einmal im Monat für kurze Zeit schön“, berichtet Jonathan. „Das setzt positive Akzente, aber allein damit lösen wir das Müllproblem nicht.“ Deshalb will er sich auch mit anderen Initiativen vernetzen und Druck auf die Politik und die BSR machen. „Unser Plan ist, Menschen zusammenzubringen, denen ihr Kiez nicht egal ist“, so Jonathan. „Die Krake braucht viele Arme. Wenn wir zehn Leute wären, die wirklich aktiv sind, dann können wir hier viel auf die Beine stellen. “
Zukunft für Kiezgarten und Telegram-Kanal
Das QM kann Kiez-Engagement mit Geldern aus dem Aktionsfonds unterstützen – allerdings nur noch bis Ende 2027, denn dann endet das QM. Aber auch für die Zeit danach werden noch Ehrenamtliche gesucht. „Wir wären sehr daran interessiert, dass der Kiezgarten erhalten bleibt“, sagt Quartiersmanagerin Nesrin Demir. Dafür bräuchte es Leute, die für die regelmäßig die Pflanzen gießen und pflegen sowie für die Hochbeete und Bänke die Verantwortung übernehmen. Zudem wird noch jemand gesucht, der auf lange Sicht die Betreuung des Donaukiez-Telegram-Kanals übernimmt. Mitmachen kann man unter anderem auch noch in der Redaktion der Kiezzeitung Donauwelle oder bei der Organisation des Spielstraßentages am 22. September. Für alle, die sich im Donaukiez einbringen wollen, dürfte sich also etwas Passendes finden. Interessierte Personen können sich gerne einfach beim QM melden.
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