Helfen kann man lernen
65 000 Menschen sterben jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Schätzungen zufolge könnten rund 10 000 von ihnen gerettet werden, wenn Laien – egal ob auf der Straße, im Büro oder im häuslichen Umfeld – Wiederbelebungsmaßnahmen beherrschen und anwenden würden. „Alles ist besser als gar nichts zu tun“, lautete daher die wichtigste Botschaft, die die Teilnehmerinnen – es waren ausschließlich Frauen – an diesem Abend mit nach Hause nahmen. Uwe Zobel, der die Schulung im Auftrag der bundesweiten Stiftung #Herzsicher durchführte, musste diese Erfahrung selber machen. Vor einigen Jahren hatte er einen schweren Motorradunfall und weil niemand Erste Hilfe leistete, trug er bleibende Schäden davon.
Mut zum Handeln kann Leben retten
Bei der Schulung im Quartiersbüro ging es in erster Linie um den Herzstillstand. Dadurch wird kein Sauerstoff mehr zum Gehirn transportiert. Schon nach wenigen Minuten drohen irreparable Schäden. Was tun also, wenn man eine leblose Person sieht? Zunächst einmal sollte man das Bewusstsein und die Atmung überprüfen. Dabei gelten die drei A: anschauen, ansprechen und erst dann anfassen. „Das ist wie beim ersten Date“, scherzte Uwe Zobel. Gemeint ist: zuerst schauen, ob die leblose Person noch atmet und sie dann ansprechen, etwa mit der Frage ‚Ist alles in Ordnung mit Ihnen?‘ Erfolgt keine Reaktion sollte man die Person leicht an den Schultern rütteln. Rührt sie sich immer noch nicht, sollte die Atmung überprüft werden. Wie das geht, machte Uwe Zobel an einer Puppe vor: eine Hand an das Kinn legen, die andere an die Stirn und dann den Kopf leicht nach hinten überstrecken. Nun kann man prüfen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, ob Atemgeräusche zu hören sind und ob ein Luftstrom aus dem Mund zu spüren ist. Stellt man eine Atmung fest, bringt man die Person in die stabile Seitenlage. Ansonsten heißt es: den Notruf unter 112 wählen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.
Üben an der Puppe
Uwe Zobel machte im Quartiersbüro vor, wie es richtig geht. Anschließend übten die Teilnehmerinnen selber an der Puppe. Das Wichtigste: mit ausgestreckten Armen kräftig und tief in den Brustkorb hineindrücken, während die Person auf dem Rücken liegt. Pro Minute sollte man 100 bis 120 Mal drücken, und zwar solange, bis der Rettungsdienst da ist. Das ist ganz schön anstrengend, wie die Teilnehmerinnen feststellten. Wenn mehrere Helfer:innen vor Ort sind, kann man sich abwechseln.
Man kann nichts falsch machen
Die Teilnehmerinnen hatten zahlreiche Fragen und Bedenken. Was ist, wenn ich etwas falsch mache? Können durch die feste Herzdruckmassage nicht Rippen brechen? „Nein, keine Sorge, das kann nicht passieren“, beruhigte Uwe Zobel. Und überhaupt: „Es ist immer besser, es zu probieren, als gar nichts zu tun.“ Ob es nicht besser sei , einfach auf den Krankenwagen zu warten, wollte eine Teilnehmerin wissen. Natürlich, so Uwe Zobel, sei es das Allerwichtigste, den Rettungsdienst unter 112 zu wählen, sobald man festgestellt hat, dass jemand nicht mehr atmet. „Aber der braucht im Schnitt 12 Minuten, bis er da ist, manchmal auch länger. Solange kann man nicht ohne Atmung überleben.“ Uwe Zobel weiß, dass manchmal auch Ekelgefühle eine Rolle spielen. Vielleicht ist die leblose Person betrunken oder unter Drogeneinfluss: „Aber man muss sich immer klar machen: es geht um Menschenleben!“. Mund-zu-Mund-Beatmung ist übrigens mittlerweile nicht mehr Standard. Um eine Infektion auszuschließen, sollte man auf jeden Fall Beatmungsmasken benutzen – und diese immer bei sich tragen.
„Durch diese Schulung ist der Donaukiez ein wenig sicherer geworden“, meinte Quartiersmanagerin Nesrin Demir und bedankte sich bei Uwe Zobel.
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