Süße Botschaft aus Neukölln
Das Aschura-Fest auf dem Rathausvorplatz ist inzwischen eine schöne Tradition. 2017 hatte der Verein Sivasli Canlar, der seine Räume um die Ecke in der Donaustraße 102 hat, es zum ersten Mal an diesem öffentlichen Platz gefeiert. In Berlin leben rund 80 000 Menschen aus der alevitischen Glaubensgemeinschaft. Aschura (oder Aşure) ist eines ihrer wichtigsten Feste. Es beendet die zwölftägige Fasten- und Trauerzeit um den dritten Imam Hüseyin (oder Husain), der 680 n. Chr. in der Schlacht von Kerbela starb. Traditionell wird es nicht nur mit der Familie, sondern mit der ganzen Nachbarschaft gefeiert.
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So auch an diesem Sonntagnachmittag. Schon am Vortag hatten die Frauen des Vereins die namensgebende Süßspeise vorbereitet. Zwölf Zutaten gehören in die Aschura, darunter Nüsse, Weizen, Kichererbsen und Trockenfrüchte. Fünf riesige Kessel davon wurden zum Rathausvorplatz gebracht. Ob das auch wirklich alles weggeht? „Klar!“, versicherten die Vereinsfrauen, während sie die Speise portionsweise in Schüsseln füllten. Was übrig bleibt, wird an Obdachlose verteilt. Mit Armen zu teilen ist ein wichtiger Bestandteil des Festes.
Symbol der Vielfalt und des Miteinanders
„Das Fest steht für Zusammenhalt, Respekt und Solidarität“, erklärte Cemal Boyraz, Vorsitzender von Sivasli Canlar in seiner Rede. In der heutigen Zeit sei das wichtiger denn je: „Wir möchten einen Beitrag leisten zu einer demokratischen, friedlichen Entwicklung.“ Die Botschaft, die von diesem Fest ausgeht, ist für ihn, dass die Vielfalt von Religionen, Kulturen und Lebensentwürfen keine Schwäche, sondern eine Bereicherung ist. Bei der Aschura behält jede der 12 Zutaten seinen eigenen Geschmack, zusammen entfalten sie ihren ganz besonderen Charakter. Cemal Boyraz hieß alle Besucher:innen herzlich willkommen und bedankte sich beim Quartiersmanagement Donaustraße für die Unterstützung des Festes über den Aktionsfonds. Auch die folgenden Redner betonten die Bedeutung des Aschura-Festes für ein friedliches Miteinander und gegen die zunehmende Spaltung in der Gesellschaft. „Lasst uns zusammenstehen und gemeinsam feiern!“, sagte Andreas Audretsch, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Aschura ist mehr als nur eine Speise, sie ist Erinnerung und Vermächtnis“, betonte der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak, der selber Alevit ist. Aufrecht zu bleiben und bei Unrecht nicht zu schweigen, sei die tiefe Menschlichkeit, die von den Ereignissen in Kerbela ausgeht.
Nach der Imam ein Gebet gesprochen hatte, konnten sich alle eine Schüssel von der gehaltvollen Süßspeise nehmen. Trotz Ferienzeit war die Veranstaltung sehr gut besucht und so bildeten sich lange Schlangen bei der Ausgabe. Unter den Pavillons wurde dann, begleitet von Live-Musik, gemeinsam gelöffelt und geplaudert.
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