Die Karawanserei des Südens

In der Donaustraße gibt es seit 2024 eine einzigartige Buchhandlung, die sich auf arabische Literatur spezialisiert hat. Doch nicht nur gedruckte Werke sind auf den etwa 70 Quadratmetern zu finden, sondern dort entwickelt sich auch ein intellektueller Treffpunkt für die wachsende arabische Community Berlins.

alle Fotos: Schuster

„Khan Aljanub“ steht auf der Eingangstüre der Buchhandlung in der Donaustraße 27 – ein schöner poetischer Name für ein Ladengeschäft, denn er bedeutet „Karawanserei des Südens“ und lässt an Reisen, Herberge, Schutz und Versorgung denken. Für die rund 150.000 Menschen mit arabischen Wurzeln, die derzeit in Berlin leben, ist „Khan Aljanub“ die Bezugsquelle für arabische Literatur jenseits von religiösen Schriften und Raubkopien.

„Wir führen fiktionale Literatur, Poesie, Biografien, Bücher zu Geschichte und Philosophie, zu Kunst- und Kulturwissenschaften – alles auf Arabisch“, zählt Ahmed Awny, einer der beiden Inhaber, das Sortiment auf. Außerdem werden Kinderbücher und Comic-Erzählungen auf Arabisch angeboten. Nicht zu vergessen die arabische Literatur in deutscher und englischer Übersetzung. Entsprechend dicht drängen sich die Bücher in den vielen Regalen auf der begrenzten Fläche. Eine inspirierende Atmosphäre umgibt den Literatursuchenden sobald er den Laden betritt, auch deshalb, weil man hier hinter allem ein großes Engagement gepaart mit viel Power verspürt – und ein „work in progress“ zu erleben ist.

Es lag in der Luft

Der ägyptische Soziologe Amro Ali beschrieb Berlin 2019 als das momentan weltweite Zentrum der arabischen Intelligenz im Exil. Der Auslöser dafür sei der arabische Frühling gewesen. Und im Gegensatz zu früher zog es einen Großteil der Exilanten nicht mehr nach Paris oder London sondern auch nach Berlin, weil dort die Lebenshaltungskosten niedriger waren. Die Gründung einer arabischen Buchhandlung lag damit quasi in der Berliner Luft.

Ursprünglich existierte der Buchladen seit 2020 in der Potsdamer Straße und zog im April 2024 in die Donaustraße um. „Wir denken, dass wir hierhin besser passen“, erklärt Awny den Grund für den Standortwechsel. Neukölln sei diverser, Schöneberg dagegen schon zu etabliert gewesen. „Wir wollen in der Nähe unserer Leute sein“, führt er weiter aus. „Uns geht es darum, offen für die Community zu sein und die Entwicklung von neuen Ideen dort auch hinein zu tragen.“ Und noch einen weiteren Punkt kann der Raum in der Donaustraße für sich verbuchen: dort können regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. In der Potsdamer Straße war das nur in einem Innenhof möglich. „Und bei dem ständigen deutschen Regen…“, merkt Awny mit einem Augenzwinkern an.

Nicht so wie bei Amazon

Zu ganz unterschiedlichen Aktivitäten lädt „Khan Aljanub“ die Community ein: zu Diskussionen über Kultur, Literatur und besonders zu Neuerscheinungen von Büchern. Ebenso gehören Schreibwerkstätten und Geschichten erzählen für Kinder zum Programm. Auch ein Buchclub wurde gegründet. Darüber hinaus organisiert man Filmvorführungen trotz des begrenzten Platzes. „Ich hab’ mal nachgezählt“, berichtet Awny, „bis zu 52 Leute passen rein!“ Ein Teil des Inventars wandert dann in die Hinterräume. „Wir wollen nicht nur Bücher verkaufen“, umreißt er das Engagement. Man sei vor allem daran interessiert, Erfahrungen zusammen mit der Community zu sammeln. „Ich liebe es, wenn die Leute wiederkommen und wir uns austauschen können!“, schwärmt der Buchhändler. „Nicht so wie bei Amazon, wo man nur den Kauf per Click bestätigt“, bringt er es auf den Punkt.

Der Weg zum Verlag

Neben Ahmed Awny ist Mohammad Rabie, einer der Gründer von „Khan Aljanub“, als zweiter Inhaber der Buchhandlung mit an Bord. Beide Buchhändler haben den gleichen Background, stammen aus Ägypten, sind Schriftsteller und verlegen inzwischen auch Bücher. Bisher sind 16 neue Titel erschienen, durch die die arabische Community neue Impulse empfangen soll. „Khan Aljanub“ versteht sich als Verlag, der Bücher publiziert, die sonst keine Öffentlichkeit erfahren würden. Außerdem verlegt man Übersetzungen von Büchern aus dem globalen Süden, die für die arabische Diaspora in Europa von Interesse sein könnten. Alle selbst verlegten Bücher gibt es natürlich vor Ort bei „Khan Aljanub“.

Für die Zukunft wünscht sich Awny, dass die finanzielle Grundlage gesichert ist und man das Kulturprojekt, zu dem sich der Buchladen in seiner wahren Dimension ja inzwischen ausgeweitet hat, weiterhin unabhängig betreiben kann.

Webredaktion

www..khanaljanub.com

deutsche Website: www.khanaljanub.com

englische Website: www.khanaljanub.com