„Es könnte hier so schön sein!“
Es regnete zwar die ganze Zeit über leicht, aber trotzdem hatten sich am Sonntagvormittag, den 22. Februar, einige Anwohnerinnen und Anwohner zum freiwilligen Clean-Up vor dem Quartiersmanagement-Büro getroffen. Rund um die Donaustraße sollte es auf den Gehwegen und Baumscheiben wieder sauberer werden. Insofern hatte der Regen auch etwas Gutes, denn der Schnee war getaut und der Dreck wieder gut sichtbar. Sechs Leute zogen sich Handschuhe an, bewaffneten sich mit Greifzange sowie Eimer und zogen los. Die Gerätschaften zur Reinigung lagerten praktischerweise griffbereit in der großen Kümmer-dich-um-deinen-Kiez-Station, bereitgestellt von Null Müll Neukölln, die seit einiger Zeit im Kiezgarten steht und von allen genutzt werden kann. Die zwei großen Bollerwagen für den Abtransport des Mülls hatte Mounir, ein Mitglied der Initiative, aus dem benachbarten QM-Büro geholt.
Papierfetzen, Kippen, Kleinmüll
Nach ungefähr fünfzig Metern verkündete die Erste der Freiwilligen: "Mein Eimer ist voll!" Und dabei hatte sie nur Papierfetzen, Zigarettenkippen und anderen Kleinmüll aufgesammelt. Zusammen mit ihrem Partner, der sogar das Baby in einer Bauchtrage mitgebracht hatte, ist sie zum Clean-Up gekommen. Warum sie der Regen heute nicht abgehalten hat? „Es könnte hier so schön sein!“, deutete sie auf die vermüllte Umgebung. Und der Vater ergänzte: „Es ist doch unsere Heimat!“
Besonders auf den Baumscheiben hatte sich eine Menge Unrat angesammelt. Die großen Sperrmüllteile kann die Initiative aber sowieso nicht entsorgen, das muss die BSR erledigen. Doch über die App des Ordnungsamtes kann zumindest Meldung darüber gemacht werden. Die Initiative besteht seit letztem Jahr und hat sich schon mehrfach im Quartiersmanagement-Büro getroffen, um das Müllproblem zu thematisieren und anzugehen. Auch die offizielle Seite wurde beleuchtet. So wurde die Reinigungsklasse der BSR gecheckt, und es kam die Frage auf, warum die BSR-Leute teilweise so nachlässig reinigen, wenn sie durch die Straßen ziehen. „Es gibt die Vorgabe der BSR, dass ein Mitarbeiter 4,5 Kilometer am Tag säubern muss“, erklärte Jonathan von der Ini. „Aber das gilt für jeden Stadtteil, egal wie viel Müll da wirklich rumliegt.“ In Neukölln zum Beispiel schaffe es die BSR daher nicht immer, die vorgegebene Strecke gründlich zu säubern. Außerdem kommt hinzu, dass im Winter bei Minusgraden die kleinen Gehweg-Kehrmaschinen nicht mit Sprühwasser fahren können.
Spontanes Lob im Namen der Donaustraße
Beim Säuberungszug durch die Donaustraße sorgten einzelne Hundekotbeutel, die zwar prall gefüllt und ordnungsgemäß verknotet, aber dann auf den Baumscheiben gelandet waren, für leicht ironische Überlegungen. Gideon, einer der Freiwilligen, hielt solch ein „Präsent“ mit der Greifzange hoch und sinnierte laut: „Ich verstehe es nicht.“ Wieso schafft man als Hundebesitzer oder -besitzerin nur die Hälfte der Rücksichtnahme? Aber es war zumindest ein Schritt in die richtige Richtung…
Auch wenn nicht allzu viele Passanten unterwegs waren, hielten fast alle spontan an, um die Gruppe von Herzen zu loben. Einer bedankte sich hocherfreut „... im Namen der Donaustraße“ für die Verschönerung. Die sichtbare Eigeninitiative der Nachbarschaft traf ganz offensichtlich einen Nerv. Um über die Aktion weiter zu informieren, hatte die Ini auch eigene Flyer mitgebracht und verteilte sie an die Vorübergehenden. Denn regelmäßig jeden letzten Sonntag im Monat wird es dieses Clean-Up geben. Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem QM-Büro in der Donaustraße 7, jeder kann mitmachen. „Um noch mehr nach außen über unsere Initiative gegen Vermüllung zu informieren, hätte ich gerne eine eigene Website“, wünschte sich Jonathan deshalb für die nähere Zukunft. Bisher wird alles über eine Telegram-Gruppe organisiert.
Das Ende und den Erfolg des Clean-Ups markierten mehrere gut gefüllte Müllsäcke, die im Kiezgarten zwischengelagert wurden, bis die BSR sie im Laufe der folgenden Woche abholt.
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