Mit Machbarschaften sorgende Netzwerke schaffen
Über 30 Menschen waren an diesem Sonntagvormittag in die Manege in der Rütlistraße 1 gekommen. „Die Kernidee ist, in der Nachbarschaft sorgende Netze zu schaffen“, erklärte Jacques Chlopczyk, Initiator und Moderator, zu Beginn. Gerade in Krisenzeiten – ob Klimawandel, Pandemie oder steigende Lebenshaltungskosten – sei es wichtig, die Nachbarschaften zu stärken. Machbarschaften ist ein Veranstaltungsformat, das ganz unterschiedliche Menschen dazu einlädt, sich zu konkreten Aktionen und Kooperationen zu verabreden. Schwerpunkt ist der Reuterkiez und der Donaukiez. Aber natürlich waren auch Teilnehmende aus Kreuzberg oder Hohenschönhausen willkommen. Das Interesse ist groß. Beim letzten Mal waren über 60 Leute gekommen.
Hitzesommer und Armut, Einsamkeit und Rechtsruck
Bei der ersten Vorstellungsrunde sollten alle sagen, was sie beschäftigt. Müll und Drogen, Gentrifizierung und Armut wurden von vielen genannt. Aber auch Einsamkeit ist für viele ein wichtiges Thema. „Mir macht der Rechtsruck Angst", meinte eine Teilnehmerin. Im großen Kreis saßen Anwohnende, Mitglieder von Initiativen, etwa der Verkehrsinitiative Harzer Straße, ebenso wie die Pfarrerin der Nikodemus-Kirche. Die Redaktion der Donauwelle war fast komplett vertreten, ebenso einige vom Kiezputz-Initiative "Donau-Krake", die einmal im Monat saubermachen. „Mir macht der angekündigte Hitzesommer und der Wassermangel Angst“, meinte eine junge Frau. Eine andere war vom Verkauf ihres Wohnhauses betroffen, wieder andere beschäftigen die Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich. Einig waren sich alle: Es reicht nicht, auf die große Politik zu warten. Man müsse gemeinsam Abhilfe schaffen. „Ich möchte aktiv sein und mich vernetzen“, erklärte eine Teilnehmerin. Welche Ressourcen die Teilnehmenden mitbrachten, wurde beim zweiten Teil der Vorstellungsrunde deutlich. Die Pfarrerin kann Räume anbieten, ein anderer Teilnehmer ist fit in Sachen Multimedia, ein anderer könnte seine künstlerischen Fähigkeiten einbringen. „Aber nun wollen wir uns erstmal die Bäuche vollschlagen und quatschen“, lud Jacques zum großen Buffet ein.
Den Bauch vollschlagen und miteinander quatschen
Draußen im Garten, bei Hummus, Linsensalat und Kuchen, konnte ohne Probleme an das Gesagte angeknüpft werden. Einige tauschten sich über das Thema Einsamkeit aus – und verabredeten sich gleich zu einer Radtour oder zum gemeinsamen Bäumegießen. Telefonnummern und Infos wurden ausgetauscht und die Pfarrerin erhielt zahlreiche Anfragen für die frisch sanierten Räume in der Kirche.
Zwei besondere Nachbarschaftsorte
Nach der Essenspause stellten sich zwei Projekte vor, die aus einer kleinen Idee und viel Mut entstanden sind. Der Community-Supermarkt Robin Hood in der Weser-/Ecke Hobrechtstraße wurde 2023 eröffnet. Das Besondere: die Kundschaft arbeitet im Laden mit und Gewinne werden gespendet. „Es geht um ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften“, erklärte Markus, einer der Freiwilligen. Ebenso inspirierend ist das Open Tiny aus der Treptower Straße 84, ein lange leerstehender Kiosk, der 2020 von einem Verein eröffnet wurde. Das Open Tiny ist ein offener Raum für alle, die ihr Hobby teilen oder sich ausprobieren möchten. Repaircafé, Kleidertausch, Karaoke, Ausstellungen oder Brettspielabende – es ist erstaunlich, was in dem 22 Quadratmeter großen Raum alles möglich ist. Tina erzählte, dass sie die Eigentümerin, die Deutsche Wohnen, so lange nervte, bis der Verein den Kiosk mieten konnten – sogar mietfrei.
Vom Reden ins Tun
Bei der Abschlussrunde ging es dann daran, Banden zu bilden oder wie es Jacques formulierte: „Lasst uns zusammen vom Reden ins Tun kommen“. Sortiert nach den verschiedenen Themen wurden Zettel an die Flipcharts geklebt, auf denen man sich eintragen und konkret verabreden konnte. Einkaufshilfe für die Nachbarin organisieren, sich einer Clean Up-Aktion anschließen oder eine Petition zur Verkehrsberuhigung anleiern – für alles, was die Stadt schöner und die Nachbarschaft solidarischer macht, konnte man sich Verbündete suchen.
Es werden in diesem Jahr noch weitere Machtbarschaften stattfinden. Wir werden Euch auf unserer Webseite darüber informieren.
Die Machbarschaften werden über Mittel von FEIN (Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften) gefördert.
Webredaktion











